Alles über den Meister des anspruchsvollen Trashfilms

 

 

Ticker
(Ticker)

 

Cover "Ticker"

Bisheriger Mittelwert für diesen Film:

6,6 von 10 Punkten

 


Als Steven-Seagal-Fan habe ich mich auf diesen Film besonders gefreut (oder mich davor gefürchtet?)... Um es gleich vorweg zu nehmen: Pyun hat mit diesem Werk bewiesen, daß er sehr wohl in der Lage ist, auch massentaugliche Filme abzuliefern! Man muß ihm wohl dabei auch "zugute halten", daß das Drehbuch nicht von ihm stammt, und er wohl von Seiten der beteiligten Produktionsfirmen Artisan, Nu Image, und Seagals Steamroller Productions auch entsprechende Vorgaben bekam. Besonders der sichtlich übergewichtige Seagal war wohl mit viel Herz an der Sache beteiligt, da er einen Song seiner Band beisteuerte, und sogar seinen Hund im Film unterbrachte. Dafür gibt er allerdings die wohl erbärmlichste darstellerische Leistung seiner Karriere. Seinen Text spult er völlig emotionslos ab, und die meiste Zeit verbringt er damit, Tom Sizemore die Zen-Lehre näherzubringen. Gegen Ende setzt er dann aber endlich sein "Kampfgesicht" (zusammengekniffene Lippen) auf, und bricht ein paar Knochen. Eigentlich hat er sogar die einzigen Actionszenen des Films ganz für sich alleine (Anfang und Ende).
Aber kommen wir auch mal zu den anderen Darstellern: Tom Sizemores Leistung geht für einen Film dieser Größenordnung durchaus in Ordnung... Er ist zwar nicht mit Übereifer dabei, aber stets glaubhaft. Sein Charakter ist ein gebrochener Detective, der nach der Ermordung seiner Familie vom Mord- ins Drogendezernat versetzt wurde. Nach dem Tod seines Partners durch einen Bombenleger (Dennis Hopper) ermittelt er auf eigene Faust in dem Fall, und bekommt unerwartet Unterstützung vom Leiter der Bombenabteilung (Seagal). Sizemore und Seagal geben ein wunderbares Gespann ab. Im Laufe des Films entwickelt sich eine glaubhafte Freundschaft zwischen den Beiden, und am Ende würde man gerne noch mehr Abenteuer der Beiden sehen.
Dennis Hopper spult seine Standard-Psychopathen-Rolle ab. Nicht ganz so gut wie in Speed, aber akzeptabel. Er gibt einen etwas abgedrehten Bombenleger, der seine Arbeit mit der von berühmten Künstlern vergleicht, wodurch etwas merkwürdige Dialoge zustande kommen. Von Pyun ist man allerdings weitaus Schlimmeres gewohnt :-)
Norbert Weisser gibt auch seine Standard-"abgedrehter-Punk-auf-Speed"-Rolle mit zerzausten Haaren, wie man es von ihm gewohnt ist (was macht der Typ eigentlich hauptberuflich, wenn er nicht gerade mit seinem Kumpel Filme dreht?). Leider gibt er recht früh und unspektakulär den Löffel ab.
Pyuns Spezis Michael Halsey, Yuji Okumoto, und Vincent Klyn sind auch wieder mit von der Partie, wobei Letzterer diesmal nur als Alberts Assistent fungierte. Auch Ice-T gibt einen kurzen Gastauftritt als Söldnerführer. Im Grunde spielt er sich wie immer selbst.
Die Musik stammt leider nicht von Tony Riparetti (er war nur Music Supervisor), bietet aber einen unaufdringlichen, soliden Score, sowie ein wunderbares, sich durch den Film ziehendes, Thema.
Auch die Kameraführung ist unaufdringlich bis "künstlerisch wertvoll", wobei das Ende leider stark abfällt. Man hat schon bessere Arbeiten gesehen, die hier erbrachte Leistung ist aber insgesamt solide.
Auf die Story werde ich hier nicht weiter eingehen, da eigentlich schon alles gesagt ist. Das einzig Erwähnenswerte ist wohl die "überraschende" Wendung, die sich kurz vor Schluß abspielt. Aber schaut ihn euch selber an :-)
Alles in allem kann man wohl sagen, daß Pyun auf dem richtigen Weg ist, wenn er ein breiteres Publikum erreichen will. Leider werden die "wahren Fans" wohl etwas enttäuscht sein, da es eben kein echter Pyun ist.
Einen Punktabzug gibt es auch für die aus anderen Filmen eingefügten Explosionen, und sich wiederholende Szenen (danke Markus!).
Fazit: Gelungener Actionthriller mit prominenter Besetzung, dem es leider an den typischen Pyun-Zutaten fehlt! Das durchschnittliche Videothekenpublikum wird aber sicher nicht enttäuscht sein.
 

 8 von 10 Punkten


von Kai Schmidt


Mit „Ticker“ ist Albert Pyun als Regisseur wieder einige Stufen mehr emporgestiegen. Mag auch die Story um einen Bombenleger nicht neu sein, so schaffte es Albert Pyun doch, einen unterhaltsamen Film zu gestalten.
Dabei hat Albert Pyun die wohl beste Darstellerriege in seiner bisherigen Laufbahn zusammengetrommelt: Steven Seagal, der wohl derzeit überzeugendste Action-Darsteller, spielt, mit der unvermeidlichen .45er, das, was er am besten kann: Steven Seagal! Mag sein, daß dies manchem Zuschauer nicht genug ist, aber zumindest bleibt Steven Seagal seinem Genre treu und versucht sich nicht an sogenannten seriösen Filmen oder gar Komödien ...
Unverständlich ist mir jedoch, warum der Verleih nach Steven Seagals Erfolg mit „Exit Wounds – Die Copjäger“ nicht auch „Ticker“ in die Kinos brachte, vor allem da „Ticker“ wesentlich überzeugendere Darsteller und Charaktere präsentiert und es deutlich schlechtere Filme in die Kinos schaffen ...
Tom Sizemore gibt als psychisch gebrochener Cop, der seine Familie bei einem Bombenattentat verlor, die beste Vorstellung ab, obwohl er es wohl nach seiner Mitwirkung in Filmen wie Steven Spielbergs „Der Soldat James Ryan“ oder Oliver Stones „Natural Born Killers“, nicht mehr nötig haben dürfte, in einem Streifen wie „Ticker“ mitzuspielen. Dagegen bleibt Dennis Hopper bei seiner Darstellung des Bombenlegers weit hinter seinen Möglichkeiten zurück ... naja, vielleicht hat er das Publikum in David Lynchs „Blue Velvet“ einfach zu sehr verwöhnt ...

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Leider wird Dennis Hopper vorzeitig und überraschend mittels Autobombe aus der Handlung befördert. Ich hatte dennoch erwartet, daß er zum Schluß ebenso überraschend wieder auftauchen würde, da ich keinen vernünftigen Grund, zuerst einen solchen Schauspieler zu engagieren und ihn dann vorzeitig dahinscheiden zu lassen.

 Ohne Dennis Hopper ist der finale Showdown denn auch die größte Schwäche dieses Films:
Inspirationslose Schießereien und Prügeleien mit diversen Handlangern, die Steven Seagal zwar routiniert, aber dennoch in seinen vorangegangenen Filmen besser präsentiert hat, lassen das Filmende  weit hinter seinen Möglichkeiten zurückbleiben und kann somit nicht mit dem Schluß anderer Filme von Albert Pyun wie beispielsweise "Mean Guns - Knast ohne Gnade" mithalten. Von den anderen Darstellern ist niemand besonders herausragend, weder die Partnerin des von Dennis Hopper dargestellten Bombenlegers, noch Joe Spano, der nach seiner Stammrolle in der amerikanischen Polizeiserie der 80er Jahre, „Polizeirevier Hill Street (Hill Street Blues)“, kaum noch großartige, schauspielerische Herausforderungen zu bewältigen hatte.
Mag sein, daß „Ticker“ nicht den Status von „Explosiv – Blown Away“ erreicht, aber dennoch könnte Albert Pyun mit weiteren Filmen dieser Art einen ähnlichen Rang erreichen wie Filmemacher wie derzeit John Frankenheimer („French Connection II“, „Ronin“, „Reindeer Game“) oder Peter Hyams („2010“, „Presidio“, „Das Relikt“, „End Of Days“).
Im Verhältnis zu anderen Filmen dieser Art hält sich „Ticker“ mit Schießereien und sonstigen Actionszenen auch sehr zurück, ist eher ein Film der leisen Töne, vor allem bei den philosophisch-psychologischen Dialogen zwischen Steven Seagal und Tom Sizemore. Ich kann nicht entscheidend beurteilen, ob es nur ungewohnt ist, derlei Dialoge in einem solchen Film oder von Steven Seagal zu hören, aber diese Dialoge passen in einen Film von Albert Pyun ...
Etwas, was mir bereits bei einigen Filmen Albert Pyuns auffiel, ist die meist unspektakuläre Begleitmusik. Hierbei könnte sich Albert Pyun doch etwas mehr Mühe geben. Mag sein, daß die Begleitmusik, d.h. der sog. Instrumental Score, in den meisten Filmen der heutigen Zeit kaum noch im Ohr bleibt, aber in einigen Filmen geschieht es dann doch, wie zuletzt beispielsweise in „Get Carter – Die Wahrheit tut weh“.

 8 von 10 Punkten


von Armin Träger



Ich kann mich noch genau erinnern.
Etwa im April des Jahres 2000 unterhielten der Webmaster und ich uns über mangelnden Nachschub von Steven Seagal und unserem Spezi Albert.
Wie scherzten noch rum, die beiden könnten sich doch eigentlich zusammentun, schließlich schien Steven nach dem desaströsen "The Patriot" im B-Movie-Ghetto angelangt zu sein.
2 Wochen später, ich saß gerade bei der Arbeit, klingelte mein Handy und ich erhielt die Nachricht: "Albert und Steven drehen gemeinsam einen Film!!!"
Schockschwere Not. Was wird das werden!
Dann kamen die nächsten Gerüchte: in weiteren Hauptrollen agieren Tom Sizemore (was hat er sich den zu Schulden kommen lassen??:-) ) und Dennis Hopper ( "hey ich darf mal wieder den Bösen spielen, lange nicht mehr gemacht").
außerdem handelt es sich um eine Nu Image-Produktion! Was soll draus werden?
Tja, nun ist er da, und fast alles was ich befürchtete trat ein:
Die Story des verrückten Bombenlegers, des Cops mit schlimmer Vergangenheit, seinem neuen Freund vom Bombenkommando wurde ideenlos heruntergekurbelt und wartet abgesehen von der (lahmen ) Schlußpointe mit keinerlei Überraschungen auf. Aber das ist zu verkraften.
Schlimmer ist es, das es handwerklich auf unterstem Niveau aufbereitet wurde: die meisten Explosionen wurden aus anderen (Nu Image-) Filmen (z.B. "Code of Conduct") geklaut. Das diese nicht für den Film gedreht wurden, ist auch daran zu erkennen, das die Darsteller, wenn etwas hochgeht, sehr unbeteiligt herumstehen, obwohl direkt vor ihrer Nase etwas hochgeht.
Manchmal werden Close-Ups der Hauptdarsteller mehrmals verwendet, im falle von Dennis Hopper sogar innerhalb von 3 Minuten.
Oder Steven läuft am Anfang Sizemore hinterher, am Ende wird diese Szene nochmal verwendet, als er ein paar Böse Buben platt macht.
Der Kameramann und der Cutter sollten schnellsten den Job wechseln. Besonders in den Fights am Ende sind sie restlos überfordert. So ein Chaos hab ich schon lange nicht gesehen.
Dann hätten wir noch die Darsteller: Sizemore hat keine Lust, scheint sich ständig zu fragen, wie er es in einen B-Film wie diesen geschafft hat, Seagal darf den Zen-Buddhismus rezitieren und kaum kämpfen (was genau die falsche Reihenfolge ist :-) ) und Dennis Hopper scheint noch noch nicht kapiert zu haben, das er nicht in "Speed" mitspielt. Er macht dasselbe wie immer.
Aber auch zwei Albert-Spezis sind mit von der Partie: Norbert Weisser und Michael Halsey. Immerhin sie blieben seich treu und spielen so schlecht wie immer.
Über die zum  Teil blödsinnigen Dialoge schweige ich mich aus.
 Also, Albert, so geht es nicht weiter. Hier lieferst du unterdurchschnittliches  Videotheken-Fastfood ab, welches einfach nur uninteressant ist. Sogar für dich ist der Film handwerklich nicht annehmbar. Steven kann froh sein sich mit "Exit Wounds" rehabilitiert zu haben und Tom findet bestimmt schon wieder einen Job. Verschwinde bei Nu Image und drehe deine Visionen, dafür lieben und hassen wird dich.
 Weil aber wenigstens Geld (etwas mehr als sonst) dahinter steckt und zur Abwechslung mal nicht in irgendeinem Osteuropäischen Staat gedreht wurde (und wegen dem Seagal-Bonus), gebe ich
 
 4 von 10 Punkten


von Markus Köhler

 

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