Alles über den Meister des anspruchsvollen Trashfilms

 

 

Mean Guns - Knast ohne Gnade
(Mean Guns)

 

Cover "Mean Guns"

Bisheriger Mittelwert für diesen Film:

8,5 von 10 Punkten

 


 
10 Millionen Dollar. 100 Verbrecher. Einer von ihnen ist Christopher Lambert, der aus Ultimate Chase wohl nichts gelernt hat, und hier wieder in einem Pyun-Film spielt. Aber wir wollen nicht gehässig sein! Mean Guns ist um Längen besser, als Ultimate Chase, zumindest, was die Action angeht. Man darf diesmal ruhigen Gewissens von einem Action-Film reden.
Aber alles der Reihe nach...
Ein Verbrechersyndikat steckt 100 Verbrecher, die das Syndikat irgendwie betrogen haben, in einen High-Tech-Knast, versorgt sie mit Waffen, und bietet den letzten drei Überlebenden 10 Millionen Dollar Prämie. Im Laufe des Gemetzels bilden sich Gruppen, es wird intrigiert und eliminiert.
An der technischen Umsetzung ist diesmal nichts auszusetzen: Die Shootouts sind sauber inszeniert, der Bodycount handlungsbedingt sehr hoch. Der für Pyun ungewöhnlich lange Film (107 Minuten) inszeniert sich wie eine überlange Actionszene, stellenweise wie ein Ego-Shooter auf dem PC. Eine Tür geht auf, der Gangster wird erschossen, die Tür geht zu. Es gibt kein Gut oder Böse, selbst Lambert taugt nicht als Sympathieträger. Er ist ein psychopathischer Profikiller, der mehr aus Spaß an dem Spektakel teilnimmt. Seine Motive bleiben im Dunkeln. Genau da liegt der große Schwachpunkt des Films: Die Charakterzeichnung! Der Film hat zu viele Darsteller, als daß alle eingeführt werden könnten. Außerdem wird wieder viel zu viel philosophiert. Die Diskussion z.B. über die Wirkung von Schimpfworten ist völlig abstrus und langweilig. Auch interessant ist die Location. Hier ist es ein Knast, bei "Blast" war es eine olympische Schwimmhalle... was man nicht alles tut, um Kosten zu sparen! Außerdem fehlt dem Film ein richtiger Höhepunkt. Eine halbe Stunde vor Schluß noch ein ellenlanger Schußwechsel, dann stehen sich nur noch Lambert, Michael Halsey, und Ice-T gegenüber. Wer überlebt wird nicht verraten!
Fazit: Kurzweiliges, billiges Action-Entertainment, das dem geneigten Zuschauer ein Wiedersehen mit vielen Darstellern aus früheren Pyun-Werken bietet. Wer die meisten erkennt, gewinnt!
 

 7 von 10 Punkten


von Markus Köhler


Im Auftrag einer kriminellen Organisation versammelt Moon (Ice-T) diverse in Ungnade gefallene Gangster, Männer und Frauen, Kleinkriminelle und Profis in einem neu erbauten Gefängnis. Die Bedingungen: Sechs Stunden Zeit, unzählige Kanonen, keine Möglichkeit zur Flucht, und am Schluß stehen 10 Millionen Dollar für drei Überlebende!
In kalten, stahlblauen Bildern inszenierte Albert Pyun Mean Guns - Knast ohne Gnade, zitierte hierbei auch diverse Klassiker unterschiedlicher Genres, Italo-Western, Knastfilm, sowie französischen Film Moir, zitiert und spielt mit den Elementen und Motiven, zeigt dem geneigten Zuschauer eine Mischung aus Sergio Leones Zwei glorreiche Halunken und den Zehn kleinen Negerlein: Die Gänge des Gefängnisses erinnern sowohl an den Todesstern, als auch an das Overlook-Hotel, die Gangster in ihren langen, schwarzen Mänteln erinnern sowohl an Sergio Leones Spiel mir das Lied vom Tod, als auch an John Woos A better Tomorrow. Im Klang der Mambo-Rhythmen läßt Albert Pyun die Kontrahenten mit auch in anderen seiner Filme zum Einsatz kommenden Berettas und Desert Eagles aufeinander schießen, und mit Baseballschlägern aufeinander einprügeln. Pyun zelebriert den Untergang der Kontrahenten, filmt Schießereien aus der Totale, zeigt in ruhigen Szenen Naheinstellungen der Gesichter, oft ohne Musik unterlegt. Schnell verteilt Pyun die Sympathien, läßt Christophe(r) Lambert als eine Mischung aus Martin Riggs und Jeff Costello agieren, oft begleitet von Gitarrenklängen, die aus diversen Italo-Western stammen könnten. Ice-T gestaltet seine Auftritte überraschend zurückhaltend, meist ist er nur als Beobachter zu sehen.
Der finale Showdown erinnert mit seiner Machart und der Konstellation der Charaktere sehr an den Schluß von Sergio Leones Zwei glorreiche Halunken. Albert Pyun setzt noch eins drauf, indem er die Sterbeszene in bleiches Licht taucht, den Helden eine Art Heiligenschein verpassend.
Obwohl mir von allen Filmen Pyuns dieser hier am besten gefällt, hat er auch Schwachpunkte: So bleiben die Motive des von Christophe(r) Lambert dargestellten Charakters trotz der Erklärung am Schluß ebenso mysteriös, wie dessen Visionen und die Beziehungen zwischen den Charakteren.
20 bis 30 Jahre früher hätte dieser Film wohl ein größeres Publikum gefunden. Albert Pyun erweist sich trotz moderner Ästhetik wieder einmal als altmodischer Filmemacher, der in diesem Film klassische Schießereien zeigt, anstatt, wie viele seiner Kollegen, hauptsächlich Materialschlachten zu inszenieren.
Wie wohl der Film geworden wäre, wenn Pyun nicht nur Regie geführt, sondern auch das Drehbuch geschrieben hätte... ?
Ich hatte vor Mean Guns bereits andere Filme Pyuns gesehen (Nemesis, Nemesis 2, Nemesis 3, Nemesis 4, Brain Smasher u.a.), aber erst Mean Guns hat mir Albert Pyun als Filmemacher bewußt werden lassen.
Es mögen mir einige vorwerfen, daß ich Albert Pyun als Filmemacher überschätze, aber beim Betrachten von Mean Guns glaube ich, daß er sehr geeignet wäre, diverse Romane wie beispielsweise "One Lonely Night" von Mickey Spillane, "Silent Terror" von James Ellroy, oder "Shella" von Andrew Vachss zu verfilmen. Außerdem interessiert mich, wie wohl ein von Albert Pyun in Szene gesetzter Bond-Film aussehen würde.
 

 10 von 10 Punkten


von Armin Träger


 

 

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